Geschichte

Im Jahre 1960 entstand anlässlich eines Ausfluges von Herbert Wochinz, Thomas Bernhard und Annemarie Siller nach Spittal an der Drau die Idee, im damals noch nicht renovierten Renaissancehof des Schlosses Porcia Theater zu spielen. Der architektonische Rahmen, das gesamte Ambiente des Schlosshofes, so die einhellige Meinung der drei, würden sich ideal für sommerliche Komödien-Inszenierungen anbieten. Der damalige Freund und gleichzeitig künstlerische Weggefährte von Herbert Wochinz, H.C. Artmann,kümmerte sich um die treffsichere Übersetzung teils längst vergessener europäischer Komödien, und das, obwohl anfänglich so gut wie kein Geld vorhanden war, und bereits ein Jahr später, 1961, war es soweit. Beinahe das gesamte Ensemble des Wiener Theaters am Fleischmarkt ist dem Intendanten der ersten Stunde, Herbert Wochinz, nach Spittal an der Drau gefolgt. Auch wenn sie oft nur knappe zwei Wochen Zeit fanden, ein Stück zu inszenieren, probten sie mit beispiellosem, fieberhaftem Ernst, die meisten von ihnen übernahmen mehrere Rollen gleichzeitig, Regie wurde teils simultan geführt, aber was dabei herauskam, konnte sich wahrlich sehen lassen: Gleich im ersten Jahr wurden Shakespeares "Komödie der Irrungen", Feydeaus "Der Gefoppte", Artmanns "Kein Pfeffer für Czermak" sowie Courtelines "Boubouroche" gegeben.

Teile der Spittaler Bevölkerung reagierten zuerst natürlich mit Skepsis, und nur eine kleine Gruppe nahm anfangs die Idee, hier in dieser Stadt Theater zu machen, begeistert auf. Sie unterstützte die Künstler, die fortan den ganzen Sommer über das Bild der Stadt prägten, wo und wie sie nur konnte. Spätestens aber mit Beginn der ORF-TV-Aufzeichnungen ab dem Jahre 1964 und der Bereitschaft von Bund und Land, die Komödienspiele Porcia zu unterstützen, änderte sich das Bild schlagartig. Hinzu kamen noch Pressestimmen voll des Lobes aus dem In- und Ausland für die dargebotene Schauspielkunst. In höchsten Tönen und gerne berichtete man von der "hinreißenden Komödiantik", von "bester Theater-Bravour", vom "Ensemble echter Komödianten" und anderem mehr:

Ein weiteres Beispiel aus der Vielzahl der internationalen Pressemeldungen: "Das leichte Lachen von Spittal. Auf Schloß Porcia wird besser als anderswo gespielt. Wind aus Italien wirbelt in die Szene." Peter Härtling, Deutsche Zeitung Köln, 1961 

Von nun an identifizierte sich auch das Spittaler Publikum geschlossen mit dieser neuen Kultur-Idee, war hellauf begeistert, manchmal sensibel kritisch - und daran hat sich bis heute nichts geändert. Fernab von der großen Theaterwelt etablierten sich die Komödienspiele Porcia zu einem renommierten Sommer-Theater, das in der Zwischenzeit mit zu den ältesten Sommerspielen Österreichs zählt. Das hohe Ziel trotz anfänglicher organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten (eine Spittaler Wirtin bot den Künstlern ein Mittagsmenü um nur öS 3,- an, ein Geschäftsmann brachte täglich zwei Kartons Bananen zur Probe, untergebracht wurden die Schauspieler teils privat) nie aus den Augen verlierend, spielte man sich zu einem wahren "Theater der Freude", getragen von modernem Zeitgeist, empor: spärliche Bühnenbilder in einem ohnehin eindrucksvollen architektonischen Rahmen, dafür sorgfältigste Kostümwahl und rasantes Spieltempo, vorgeführt von einem fein abgestimmten Ensemble - Commedia dell' arte für heute eben - damit legte Herbert Wochinz gleichzeitig den Grundstein für die weitere Porcia-Dramaturgie.

Diese Vorgaben waren bestimmend für die gesamte Periode seiner 30-jährigen, erfolgreichen Intendanz. Ab dem Jahre 1991 führte der in Ungarn geborene Regisseur Tamás Ferkai den typischen Porcia-Stil, eine Verbindung aus "Ratio und Verspieltheit", fünf Jahre lang exemplarisch fort. Als "Primus inter pares" sieht sich Peter Pikl, seit 1996 erfolgreicher künstlerischer Leiter der Komödienspiele Porcia. Seit seiner Intendanz gibt es jährlich drei Komödien der Weltliteratur, ein eigenes Kindertheater, drei Gastauftritte renommierter Künstler, die bestens besuchte Komödienschule mit Schauspielkursen sowie "Lachen im Keller" mit Szenen und Sketches ganz nach Lust und Laune der Schauspieler. In der kurzen Sommerzeit werden also neben vier Premieren noch eine ganze Reihe attraktiver Angebote rund um die Komödie geboten. Aber damit noch nicht genug. Geht es nach der Meinung des verantwortlichen Leiters Peter Pikl, ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft: "Ich bin nach wie vor der Überzeugung, Spittal wäre der geeignete Ort für ein Festival des Wortes."

Manchmal klingt es wie ein kleines Wunder, manchmal ist es einzig und allein Indiz dafür, wie wichtig es sein kann, dass sich die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort einfinden, um engagiert an einer Kultur-Idee festzuhalten. So war und ist es auch bei den Komödienspielen Porcia. Ein großes Kultur-Ereignis wurde unter schwierigen Bedingungen ins Leben gerufen, und wird seither Sommer für Sommer unermüdlich und konsequent von Theater-Idealisten umgesetzt. Ein anfänglicher Sommernachts-Traum wurde schließlich Wirklichkeit - über 50 Jahre Komödien im Schloss Porcia sind Beweis genug dafür und mehr als nur ein Grund zum Feiern