Schloss Porcia

Ein Schloss als Bühne und ein südlich anmutender Renaissance-Arkadenhof bilden den eindrucksvollen Rahmen für Europas Komödien auf Porcia. Einen ganzen Sommer lang bestimmt humorvolle Bühnenkultur das Bild der "kleinen historischen Stadt" Spittal an der Drau. Dynamisch und mit rasantem Witz wird das begeisterte Publikum Jahr für Jahr in den Bann der "comädie humaine" gezogen. Ohne Vorhang und mit einem Minimum an Kulissen, Dekoration oder Requisiten, dafür aber sorgfältiger Kostümwahl, präsentiert sich das ironische Spiel über (allzu) menschliche Laster und Tugenden in beeindruckendem Ambiente dem Publikum. Wo Witz und Weisheit eines fein abgestimmten Ensembles zum durchschlagenden Bühnenerfolg beitragen, wird auch Weltliteratur zum ungetrübten Lachvergnügen. Schloss Porcia, seit 40 Jahren "heimlicher Star"der Spittaler Sommerkomödie.

historischer Hintergrund
Mit zu den schönsten und bedeutensten Renaissancebauten nördlich der Alpen zählt der Palazzo, der zu Recht der ganze Stolz der Bevölkerung ist. Im Zentrum Spittals gelegen, weist dieses architektonische Baudenkmal aus dem 16. Jahrhundert in eine historische Zeit zurück, in der der Markt Spittal mit seinem Schloss zahlreichen Geschlechtern als Residenz diente.  Es war am 10. März 1524, als Gabriel v. Salamanca, Fianzminister Kaiser Ferdinands I., die Grafschaft Ortenburg mit dem dazugehörigen Besitzungen erwarb. In seinem Auftrag begannen hier im Jahre 1533 italienische Baumeister ein prachtvolles Kunstwerk, das allerdings erst im Jahre 1597/98 fertiggestellt wurde. Der Entwurf des Modells stammt vermutlich von einem oberitalienischen Architekten aus dem Gebiet um den Comosee. Der Prunkbau weist Parallelen zum Schloss Belvedere in Prag, dem Schloss in Trient sowie dem Khevenhüller Stadtpalais (heutiges Rathaus) auf.

Im Laufe der Zeit wechselte die Grafschaft Ortenburg mit ihrem Schloss mehrmals die Besitzer. Neben dem Grafen Widmann-Ortenburg (1640-1662) und dem Baron Klinger v. Klingerstorff (1918-1930) residierten hier über mehrere Jahrhunderte hinweg die Fürsten v. Porcia (1662-1918). Obwohl eigentlich vom spanischen Geschlecht der Salamanca-Ortenburg erbaut, waren es doch diese fürstlichen Herren von Porcia, denen das Schloss bis heute seinen Namen verdankt.

Das dreigeschossige Bauwerk mit seinen vier Flügeln, die den reizvollen Arkadenhof umschließen, kann von seinem Typus her als italienischer "Palazzo" bezeichnet werden. Die Wahl des freien Standortes aber, die bewußt keine Eingliederung in eine Häuserzeile zuläßt, ist wiederum charakteristisches Merkmal für ein "Schloss". Dagegen weisen die monumentalen Türme an der Nordwest- und Südost-Front unweigerlich auf die notwendige Wehrhaftigkeit hin und sind so ein wichtiges Element aus dem architektonischen Repertoire der typisch mittelalterlichen "Burg". Das Renaissance-Schloss Porcia stellt also eine gelungene Verbindung von Burg - Schloss - Palazzo dar.

Obwohl beim großen Brand von Spittal (1797) vieles zerstört wurde, können noch heute zahlreiche Sehenswürdigkeiten besichtigt werden. Vergangene Zeit wird im Turmzimmer, in der Kasettendecke aus dem Stift Millstatt, dem Renaissancekamin aus Italien, dem Wappensaal, dem Ahnensaal und anderem mehr, lebendig. Im zweiten Stock ist auch das neu-adaptierte Museum für Volkskultur untergebracht, im Salamanca-Keller erfreut die einzige öffentliche Galerie Oberkärntens ihre kultur-interessierten Besucher.Noch heute dient das Renaissanceschloss Porcia mit seinem einzigartigen Arkadenhof und seinen weitläufigen Sälen als würdiger Rahmen für gesellschatliche und kulturelle Veranstaltungen. Durch die Jahrhunderte hat sich so im Schloss trationell-fürstlicher Prunk mit modernem Kulturbewußtsein vereint.